Editorial
Das Leben ist eine Reise
Akademie-TV
"Leben mit Stil" mit Rainer Wälde
Forum der Inspiration
Jubiläums-Forum “15 Jahre Akademie” mit Pater Anselm Grün
"Das Leben ist eine Reise mit vielen Stationen. Wir sind unterwegs zur eigenen Identität. Menschen brechen auf, um neue Erfahrungen zu machen", sagen Ilona Dörr-Wälde und Rainer Wälde. Die Inhaber der Limburger TYP Akademie widmen sich den Routen des Lebens mit ihren glücklichen Momenten und schwierigen Situationen, begleiten andere Menschen, ihre Identität zu finden und ihre Persönlichkeit in allen Lebensbereichen zur Geltung zu bringen. Zu Forum der Inspiration hatten sie den Benediktinerpater Anselm Grün zu Gast.
In der Josef-Kohlmaier-Halle nahm der Autor, geistliche Berater und Kursleiter für Meditation Besucher aus allen Teilen Deutschlands und aus der Schweiz mit auf eine Reise zu den Quellen ihrer Spiritualität. Er lud sie ein und forderte auf: "Wenn du Gott erfahren willst, öffne die Sinne!" Der Mönch und Autor von über 200 spirituellen Büchern traf auf wissbegierige Zuhörer, die ihm auch viele Fragen stellten.

Grüns Leitsatz: "Es gibt keine Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis." Die Frage: "Wer bis du, Gott?" bedinge die Frage an sich selbst: "Wer bin ich eigentlich?" Das Selbstbild und das Gottesbild gehörten zusammen. "Menschen, die ein Bild vom strafenden Gott haben, bestrafen sich im Leben oft selbst", sagt Grün. Und da gebe es auch den Buchhalter-Gott in Gestalt des Menschen, der alles bewerte - ob er es in seinem Leben im Soll oder Haben verbuchen solle. "Wer kein Gespür für sich selbst hat, kann Gott nicht spüren", sagt der Pater. Gott lasse sich nicht nur mit Geist und Seele, sondern mit den Sinnen erfahren. Grün folgert: "Es gibt keine geistige Erkenntnis ohne Sinne."
Das Schauen, zum Beispiel, führe in die Freiheit. Es sei nicht gemeint, Zuschauer zu sein, sondern nach innen in sich selbst zu schauen. "Es gibt Bilder, die wir morgens sehen, die uns hindern am Leben: Eine Lehrerin sieht sich als Dompteur, ein Manager als Hamster im Rad", macht der Referent deutlich. Die Liturgie sei ein heiliges Schau-spiel, das mit ihren Farben einen Raum öffne, Gott erfahrbar zu machen.
Anselm Grün erläutert den Sinn des Hörens: "Ich höre nicht nur Worte, sondern immer den Menschen, seine innere Gestimmtheit. Das Hören ist ein transzendenter Sinn. Wir hören immer das unhörbare mit. Wer hört antwortet, übernimmt Verantwortung. Schauen führt in die Freiheit, hören in die Geborgenheit." Seine spirituelle Reise führte über das Riechen und Schmecken zum Tasten und Berühren, in der Natur und in der Liebe eines Menschen. "Die Natur ist ein ganz wichtiger Ort, in der wir Gott erfahren können", sagt Grün.
Er sucht nach neuen Aufbrüchen in der Spiritualität, sieht die Tradition und Bedeutung der alten Mönchsväter in Verbindung mit der modernen Psychologie. Grün beschäftigt sich mit der Sehnsucht, die Menschen unserer Tage in sich tragen. Er sieht in der Sucht eine verdrängte Sehnsucht. "Sucht wird nicht geheilt, in dem sie in Disziplin verwandelt wird, sondern in Sehnsucht. Aber nicht alles muss meine Sehnsucht erfüllen, sie wird geweckt durch Erfüllung und Enttäuschung", sagt der Mönch - und: "Gott hat eine ‚Spur in unser Herz hinein gegraben: Sehnsucht nach Liebe, Geborenheit, Erfolg…"
Die Zuhörer bewundern die Schaffenskraft des 64-jährigen Philosophen, Theologen und Betriebswirt, der als wirtschaftlicher Leiter der Abtei Münsterschwarzach die Verantwortung für 20 Betriebe mit 300 Mitarbeitern und für die Missionsarbeit trägt, jährlich 200 Vorträge hält und noch Zeit und Muse für seine Bücher findet. Am Morgen wirkte er auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen mit, am Nachmittag gibt er seinen Zuhörern in Limburg Inspirationen mit auf den Weg: "In unserem Geist ist Gottes Quelle, die nie versiegt. Wer die innere Quelle fließen lässt, muss sich nicht ständig beweisen. Der Glaube an Gott hilft mir, dass diese Quelle ständig sprudeln kann."
"Wenn ich nicht an Gott glaube, kann ich dann auch aus der Quelle schöpfen?", fragte eine Zuhörerin. Pater Anselm: "Jesus ist für alle am Kreuz gestorben, auch für alle, die nicht bewusst an Christus glauben und vertrauen, dass da etwas ist."
Autor: Dieter Fluck

Beim Forum der Inspiration wurden auch langjährige Beraterinnen geehrt: Gisela Osenberg (links) ist seit Gründung der Akademie vor 15 Jahren aktiv mit dabei. Anne Seidlitz, Anja Peter und Karin Dewes feiern ihr 10jähriges Jubiläum.
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